* LEERE WORTE *

von leere erfüllt sein; und dabei beobachten, wie sie sich noch weiter ausdehnt; das sind besondere momente für mich.

es sind momente ungeschminkten seins. es sind nackte momente. momente, in denen alles weiß ist - alles erfüllt von weiß. es ist eine art haptische stille, die über allem drüber liegt; wie ein mantel; nur ohne anfang und ohne ende, strukturlos glatt; eine art psssst!-wachsamkeit, in der wie schwarz auf weiß die gedanken klecksen, und die wachsamkeit diesem klecksen zusieht. manche gedanken versuchen sich ganz sanft anzuschleichen, in hellgrau, meist die schlaueren, oder die des zweifels oder des unglaubens; manche kommen ganz aggressiv und laut, ja sogar etwas militärisch - das sind jene, die ganz gut und vehement meinen, dass es doch etwas zu tun gäbe. und zwar jetzt! und das noch, und das noch, und das auch, und das noch, ach ja……! - klar identifizierbares schwarz auf weiß. ich spreche hier von einer leere, bei der gefühle oberflächen schaffen in diesem glatten weiß. strukturen tauchen auf, großflächig und einfärbend. ich schaue hin und spüre, welche gefühle sich in diesem weiß der leere manifestieren wollen. strukturierte farben tauchen auf, und ich schau zu, wo es was macht in und mit meinem körper. und dann geht es wieder das gefühl. aha. angst. so fühlt sich angst an. ganz klar und unverfälscht als erkennbare eingefärbte struktur im nichts.  und eigentlich, eigentlich mag ich diese leere. hm. vielleicht wenn sie nicht immer so mächtig wäre. und klar, auch ich spür immer wieder die versuchung, diese ausdehnung lieber oder leichter zu unterbrechen, mit anderem zu füllen; und zugleich ist sie aber so präsent, dass sie mir immer wieder angst macht. aha. ungewissheit. wie sein im freien fall, und mich trotzdem hingeben; weil die momente so besonders sind, und weil sie zu besonders sind, um sie einfach sofort wieder zu füllen, mit anderem als der leere; oder füllen lassen; oder gefüllt werden.  ja, ich mag diese leere, hier spüre ich mich im nackten sein; in meinem ungeschminkten ich.  außerdem bietet sie mir möglichkeiten. ein wenig so wie neu beackerter boden, der bereit ist, den neuen samen anzunehmen; und zu nähren.  und diese damit einhergehende wachsamkeit prüft das korn, das auf diesen boden fallen möchte. welcher gedanke ist es denn? welcher gedanke will zu mir? welcher gedanke möchte genährt werden? und - welchen gedanken möchte ich, der genährt wird? und zugleich ist da dieser schmerz; in jenem bereich des körpers, der noch gegen weiß kämpft; der für die leere noch nicht bereit ist; der noch nicht hergeben will, noch nicht loslassen kann. sei es von gedanklich erschaffenen konstrukten, von materie, oder von mit gefühlen besetzten erinnerungen.  ja, loslassen schmerzt, und zugleich ist das heilsame selten so spürbar wie in diesen momenten.



 

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